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Review zu Gothic II (2002)

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Eingetragen am 25.06.2007 15:08:50 von Glogcke
Zuletzt geändert am 25.06.2007 17:57:21 von Glogcke

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Gothic II (2002)

Gothic 2 - Ein Meilenstein in Sachen Spielatmosphäre (10/10)
 
Gothic 2 wird vielfach als eines der besten Rollenspiele aller Zeiten gehandelt und bekam seinerzeit Höchstwertungen von der Fachpresse. Zu Recht, denn hier stimmt einfach alles.

Nachdem der namenlose Held aus Teil 1 die Barriere um das Minental zerstört hat, wird er von seinem mysteriösen Mentor Xardas wieder zum Leben erweckt. Selbstredend ist der Charakter zu Beginn schwach, denn es wird Aufgabe es Spielers sein ihn in den nächsten 100-200 Stunden zu einem wahren Prachtkerl zu machen, indem er unzählige Quests erledigt, Gegner besiegt und allerhand Fertigkeiten erlernt.

Die Stärke von Gothic liegt in der Welt von Gothic. Zwar hat man sich hier großzügig bei diversen Vorlagen aus Film und Literatur bedient, trotzdem jedoch eine eigenständige und fantastische Welt geschaffen, die den Spieler mit einer Atmosphäre einbindet, die dichter kaum sein könnte. Ca. 30 Minuten benötigt man, bis man sich eingestellt hat und diese Atmosphäre der Spielwelt eingetaucht ist.
In Xardas? Turm erwacht, führt man erst mit selbigem einige einleitende Gespräche, die einen in Punkto Geschichte auf den neuesten Stand bringen. Er gibt einem die Hauptquests, man steckt einige nützliche Gegenstände ein und macht sich auf den Weg. Nach einem kurzem Scharmützel mit einigen Dieben erreicht man einen Bauernhof und erhält seine erste Aufgabe: Rüben pflücken. Was so banal und langweilig klingt und eigentlich auch nur eine Art Tutorial für das Aufheben von Gegenständen ist, macht von Beginn an Spaß. Die Figuren in Gothic wirken lebendig, nicht zuletzt auch wegen der hervorragenden Sprecher. Ist die Aufgabe erledigt erhält man die ersten Erfahrungspunkte - ein wichtiger Bestandteil des Rollenspielsystems. Erfahrungspunkte ebnen den Weg zu Lernpunkte. Letztere braucht man für das Verbessern seiner Fähigkeiten, um etwa neue Waffen führen oder bessere Zaubersprüche anwenden zu können.
Vom Hof aus kann man bereits das eigentliche Ziel des Weges sehen, in dem man einen Großteil der zu absolvierenden Spieldauer verbringen wird oder zumindest sollte: Die Stadt Khorinis. Was die Entwickler hier an Idylle, Kulisse und Atmosphäre auf die Beine gestellt haben strotzt jeder Beschreibung. Dabei wirkt die Stadt, einmal erkundet, gar nicht mehr so groß. Als erstes gilt es in die Stadt hineinzugelangen, denn die Wachen wollen dies zu Anfang verhindern. Bereits hier bietet das Spiel drei verschiedene Lösungsmöglichkeiten, die den späteren Spielverlauf beeinflussen.

Khorinis stellt auch gerade ein wichtiges Argument dar, wenn man begründen möchte, warum Gothic 2 besser ist als der Nachfolger Gothic 3. Mit Khorinis findet man in der riesigen Welt von Gothic bereits zu Beginn einen Anlaufpunkt, zu dem man immer wieder zurückkehrt. Auch im späteren Spielverlauf. Die Story gestaltet sich in und um diesem Ort weiter, indem man andere Orte aufsucht. In Gothic 3 gibt es hingegen viele kleinere und mittelgroße Ortschaften, die man nacheinander abklappert. Dabei fehlt aber der Bezug, der Anker, um sich nicht in der Riesenwelt verloren zu fühlen. Es fehlt ein Ort, an den man immer wieder zurückkehrt und an dem man die Auswirkungen seines Schaffens beobachten kann. Wurden in Gothic 3 einmal alle Quests in einem Ort erledigt, ist die Ortschaft irrelevant. Man zieht weiter und kehrt nie wieder zurück. Die Charaktere kann man vergessen oder gar umbringen.

Als Alternative zu Khorinis kann man sich in Gothic 2 auch in das weit entfernte Kloster oder zum Söldnerhof durchschlagen, sofern man seinen Charakter als Magier oder Söldner gestallten möchte. Da Khorinis jedoch schnell zu erreichen ist und ohnehin das Highlight des Spiels darstellt, empfehle ich jedem hier sein Zelt aufzuschlagen und den Weg als Kämpfer zu gehen. Letzterer beginnt mit der Aufnahme als Lehrling bei einem der städtischen Handwerker, führt über die Mitgliedschaft in der Stadtmiliz und endet nach etlichen Spielstunden mit der Erhebung des Helden in den Rang eines Paladins. Die verschiedenen Wege kreuzen sich im Spielverlauf ohnehin mehrfach und früher oder später landet man auch so im Kloster und auf dem abtrünnigen Bauernhof. Hier gibt es zwar ebenfalls viele schöne Quests zu erledigen und auch die Atmosphäre stimmt, dennoch bleibt Khorinis der Höhepunkt. Khorinis ist wie Urlaub. Besser: Wie Abenteuerurlaub. Nachdem man Gothic 2 beendet hat, kann man sich gelegentlich dabei erwischen, wie man fern ab jeglichem Realitätsbezugs, an die schöne Zeit in dieser nicht realen Stadt zurückdenkt.
Khorinis wirkt nur auf den ersten Blick groß. Man gewöhnt sich aberim Verlaufe der Spielzeit ein. Unterteilt ist die Stadt in verschiedene Viertel, die aber bis auf eine Ausnahme grenzenlos in einander übergehen. Vor allem im Hafenviertel, dem Ort an dem sich die soziale Unterschicht herumtreibt, ist die Atmosphäre besonders dicht. Insbesondere bei Nacht: Das rauschende Meer, pulsierendes Nachtleben, finstere Gestalten, ein Bordell sowie eine Hafenspelunke sorgen für Stimmung Der Spieler kann die salzige Meeresluft hier förmlich riechen. - Man muss jedoch nicht spielnutzlos auf den Einbruch der Nacht warten. Gothic schafft es den Tageswechsel durchaus an mehreren Stellen in den Spielverlauf zu integrieren ? so treibt sich beispielsweise in bestimmter Charakter nur des Nachts an einem Ort herum.

Das Spiel besteht freilich nicht nur aus Khorinis. Die restliche Welt ist wie bereits erwähnt riesig. Wer Far Cry für weitläufig hielt, wird hier eines besseren belehrt. Nahezu überall kann der Held hinlaufen. Stundenlang kann man die Gegend erforschen, Pflanzen für Tränke sammeln, Tiere jagen und ihnen das Fell abziehen, um dieses anschließend zu verkaufen, Truhen entdecken und Höhlen auskundschaften. Dabei finden sich überall versprengte Ortschaften wie Bauernhöfe, Tavernen, Leuchttürme etc. Hier bekommt der Held weitere Aufgaben, die häufig auch mit dem Hauptquest in Verbindung stehen. Ein kleiner Kritikpunkt ist lediglich das Fehlen eines Schnellreisesystems. Zwar gibt es Teleportsteine, diese sind aber nur für wenige Orte erhältlich. Allerdings steckt hinter dem fehlenden Schnellreisesystem auch der Gedanke, dass man sich die Welt gerade ansehen soll. Denn nur hier finden sich auch etliche Möglichkeiten den Charakter weiterzuentwickeln oder die Geldbörse aufzustocken. Dennoch hätte nichts gegen die Integration eines Reittieres gesprochen, mit dem man wenigstens etwas schneller unterwegs sein könnte.

Die Atmosphäre in Gothic 2 aber baut sich nicht nur durch die gewaltige Spielwelt und in der Stadt Khorinis auf. Auch der Wetter- und Tageswechsel, sowie die schöne Musikuntermalung tragen hierzu ihren Teil bei.

Hat man es nach einer bereits längeren Spielzeit erfolgreich geschafft in Khorinis den oberen Stadtteil der Reichen und Privilegierten betreten zu dürfen (auch hier gibt es verschiedene Lösungsmöglichkeiten) erhält man kurze Zeit später vom Anführer der Paladine den Auftrag herauszufinden, warum ein Erkundungstrupp sich nicht zurückmeldet. Dieser wurde in das Minental entsendet, um dort die Lage auszuloten. Es wird dringend Erz benötigt. Der Spieler muss daher im Folgenden an den Ort des Geschehens aus dem ersten Teil zurückkehren. Hierzu verlässt er die bisherige Riesenkarte, während das Programm die nächste Riesenwelt, das Minental, lädt. Im Minental ist alles etwas schmutziger, dunkler und ungemütlicher. Das tut der Atmosphäre jedoch keinen Abbruch. Hier findet man nach kurzem eine große Burg, die im Minental das Äquivalent der Hafenstadt Khorinis ist. Die Burg wird von einer wahren Herrschaar von Orks belagert und bietet Unterschlupf für eine versprengte Zahl von Paladinen, die jüngst von Dracheangriffen dezimiert wurde und seither verzweifelt versucht die Burg gegen die Belagerung der Orks zu verteidigen. Auch hier ist die Atmosphäre inmitten der Orks, die die Burg umzingelt haben, wieder sehr dicht ? ja fast schon gemütlich, befindet man sich doch an dem letzten halbwegs sicheren Ort in der Höhle des Löwen, gemeinsam mit einem Haufen Kameraden. In der Burg holt man sich die ersten Quests und bringt sich durch zahlreiche Unterhaltungen auf den neuesten Stand der Geschichte.

Im Minental finden sich auch die ersten ?Bossgegner?, in Form verschiedener Drachen, die es zu erledigen gilt. Ist dies getan, hat man einen wichtigen Teil des Hauptquests erfolgreich hinter sich gebracht. Es geht zurück nach Khorinis, wo der letzte Spielteil wartet.


Fazit:
Gothic ist ein Märchen, das jeder Computerspieler, der sich für Niveau, Atmosphäre und eine intelligente sowie spannende Geschichte interessiert, erlebt haben muss. Ein Meilenstein des Fantasy- und Rollenspielgenres mit unglaublicher Vielfältigkeit. Bestnoten gibt es für die Bereiche Musikuntermalung, Spielatmosphäre, Geschichte, Charaktere und die Spielewelt. Die wenigen kleinen Kritikpunkte, wie etwa ein fehlendes Schnellreisesystem, sind in anbetracht dessen nur kosmetische Fehler.

Insgesamt 10/10

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