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Review zu Astérix & Obélix (1995)

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Eingetragen am 05.04.2010 11:19:49 von Battletoad
Zuletzt geändert am 22.04.2010 13:23:43 von Battletoad

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Astérix & Obélix (1995)

Astérix & Obélix
 
O TEMPORA, O MORES!* ODER: FRÜHER WAR (FAST) ALLES BESSER

50 Jahre vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Nun nicht ganz Gallien, denn ein kleines Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. 1995 Jahre nach Christus. Mit "Asterix in Amerika" kam kürzlich der bisher schlechteste Zeichentrickfilm über unsere raufenden und Wildschwein schlemmenden gallischen Freunde in die Kinos, auch mit den Comics geht es schon länger bergab. Dafür gelingt dem gallischen Videospiele-Publisher Infogrames mit Astérix & Obélix für den Super Nintendo die bisher beste und comicgetreueste Versoftung der Geschichte.

* = O Zeiten, o Sitten!

QUO VADIS?

Ja wohin geht die Reise? Im Grunde basiert die Geschichte des Spiels auf dem Comic "Tour de France". Dort erbaut Cäsar eine Palisade rund um das gallische Dorf, woraufhin Asterix und Obelix eine Reise durch ganz Frankreich... äh Gallien unternehmen, aus jeder Stadt Andenken mitbringen und so demonstrativ ihre Freiheit unter Beweis stellen. Der Unterschied im Infogrames-Spiel ist: Die Reise geht nicht durch Gallien, sondern in 5 verschiedene Länder. Jedes dieser Länder (Britannien, Helvetien, Griechenland, Ägypten und Spanien) bezieht sich dabei wieder auf die entsprechenden Comics. Im Zusammenhang ist diese Mischmasch-Story aus 6 verschiedenen Bänden vielleicht nicht die sinnvollste, aber ihren Zweck erfüllt sie. Auf jeden Fall ist sie wesentlich besser als im SNES-Vorgänger "Astérix", in dem Obelix einfach mal eben von den Römern entführt wurde (sic!). Vor allem ist aber eine Europa-Rundreise die wohl einzig richtige Wahl, denn so bekommt man verschiedenste Schauplätze zu sehen und es gibt tonnenweise Andeutungen auf die entsprechenden Comicbände. Viele Charaktere und Ortschaften erkennt man sofort wieder, wodurch man sich gleich richtig heimisch fühlt im Asterix-Universum. Weiterer Pluspunkt, der ja schon im Titel verraten wird: Im Gegensatz zum Vorgänger sind nun endlich sowohl Asterix als auch Obelix spielbar. Beide steuern sich im Prinzip gleich, aber meiner Meinung nach gehört es einfach dazu, die Wahl zwischen beiden Galliern zu haben. Wahlweise kann das Spiel somit auch zu zweit gespielt werden, allerdings dürfte das eher beschränkt von Nutzen sein. Zumindest macht es das Spiel nicht gerade leichter.

DIE SPINNEN, DIE FRANZOSEN

Und damit meine ich eben nicht die zaubertrankgestärkten Gallier, sondern die Herren von Infogrames. Die haben es doch tatsächlich immer wieder geschafft, einen Schwierigkeitsgrad einzubauen, der extremen Haarausfall verursacht. Dabei sind ihre Spiele nüchtern betrachtet oft nicht einmal zu schwer, bieten reichlich Extraleben und sogar eine Auswahl des Schwierigkeitsgrades, aber trotzdem wird das Wort FRUST ganz groß geschrieben. Schon irgendwie skurril, diese immer wiederkehrende Eigenart von Infogrames-Spielen. Entwickelt wurde Astérix & Obélix zwar von den Spaniern von Bit Managers, aber Infogrames hatte als Auftraggeber wohl maßgeblichen Einfluss auf das Design. Der französische Publisher spezialisierte sich zu der Zeit vorrangig auf Comiclizenzen, wollte also ein jüngeres Publikum ansprechen. Auch wenn Astérix & Obélix noch eher Erwachsene anspricht als z.B. Die Schlümpfe, so ist es doch immer wieder verwunderlich, warum ihre Spiele so schwer und gemein programmiert sind. Damit konnte man die junge Kundschaft doch nur vergraulen? Die Intentionen von Infogrames geben mir da wirklich ziemliche Rätsel auf.

Jedenfalls strotzen sowohl Astérix & Obélix als auch Die Schlümpfe (auch auf dem SNES) nur so vor Boshaftigkeit. Passender ausgedrückt: Im Grunde merkt man richtig wie sich die sadistischen Entwickler ins Fäustchen gelacht haben, als sie die unzähligen Gemeinheiten und unfairen Stellen ins Spiel eingebaut haben. Schon die unfaire und unintuitive Kollisionsabfrage stellt die innere Ruhe des Spielers ordentlich auf die Probe. Getroffen wird man schon, kurz bevor man einen Gegner berührt. Einen Feind zu treffen ist dagegen manchmal schwerer, als es aussieht. Noch dazu sind die Römer, Piraten etc. nicht zu verachtende Gegner. Am Anfang wird der Spieler jede Menge Treffer einstecken, tatsächlich kann man jedoch fast jeden Gegner besiegen, ohne Schaden zu nehmen. Natürlich ist das aber alles andere als leicht. Noch schlimmer ist, wie die vielen Gegner und Hindernisse auftauchen, und zwar quasi aus dem Nichts. Da ist neben schnellen Reaktionen vor allem viel Trial & Error im Spiel. Die Hindernisse tauchen vor allem meistens so auf, dass man beim ersten Spielen auch garantiert getroffen wird. Letztendlich muss man also wissen, wo man stehen, springen oder auch mal eine Sekunde warten muss. Sogar freundlich Gesinnte wie etwa ägyptische Bauarbeiter machen einem zu schaffen und erweisen sich als ziemlich nervig, da sie nicht unschädlich gemacht werden können. Lange Rede, kurzer Sinn: Den Schwierigkeitsgrad sollte man als Normalsterblicher erstmal auf einfach setzen, dann hält die Spielfigur etwas mehr aus.

Irgendwie bereue ich es fast schon, dass ich bei einem Spiel, das ich eigentlich mag, gleich mit dem Negativen beginnen muss. Andererseits dürfte das aber so ziemlich das Erste sein, was dem geneigten Spieler auffällt, denn von Anfang an geht es richtig zur Sache. Nichtsdestotrotz hatte ich ja jede Menge Spaß mit Astérix & Obélix und das liegt schlicht und einfach daran, dass es ein solide durchdesigntes Jump 'n Run ist. Im Prinzip ist es in den meisten der 21 Levels das einzige Ziel, den Ausgang zu erreichen. Da stellen sich aber natürlich jede Menge Römer, sonstige Gegner sowie Hindernisse in den Weg. Feinde werden hier nicht mittels Draufspringen besiegt, sondern ausschließlich mit ein paar saftigen Schlägen. Dabei hat man die Wahl zwischen schnellen Hieben oder einem aufgeladenen Schlag, der einen Gegner sofort vernichtet. Letzterer ist unabdingbar, wenn man bestimmte Feinde ohne Verlust von Lebensenergie bezwingen will. Zusätzlich gibt es in den Levels noch jede Menge Gegenstände zu finden: Amphoren und Äpfel bringen Heilung, für 50 Münzen gibt es ein Extraleben. Wenn man alle 10 Sterne eines Akts einsammelt, erreicht man ein Bonuslevel, wo man sich massig weitere Gegenstände und Extraleben sichern kann. Der Zaubertrank bei Asterix sowie das gebratene Wildschwein bei Obelix machen für kurze Zeit unverwundbar. Wer allerdings nun versucht, ein Level gründlich abzugrasen und alles einzusammeln, der wird bald merken, dass das Zeitlimit ein ernstzunehmender Gegner ist. Als wenn das alles noch nicht genug wäre, kommen nun auch noch die Sprungpassagen hinzu und davon gibt es in Astérix & Obélix recht viele und recht fiese. Das Hauptproblem ist, dass man weder besonders hoch noch sehr präzise springen kann. Gutes Timing ist hier unverzichtbar. Das Schlimmste ist jedoch die Verwirrung durch die Animation der Gallier. Die ziehen nämlich im Sprung ihre Beine hoch, sodass man denkt, die Füße wären auf bzw. über der zu erreichenden Plattform. Spieltechnisch sind die Beine allerdings immer noch weiter unten als optisch, wodurch man sich oft fragt, warum man einen Sprung nicht geschafft hat.

Das Gameplay ist insgesamt betrachtet nicht allzu abwechslungsreich, dafür aber das Leveldesign. Durch die verschiedenen Land- und Ortschaften, die man besucht, bieten sich ja jede Menge Möglichkeiten und die wurden auch wirklich zufriedenstellend genutzt. So verlaufen, die Levels mal von links nach rechts, mal von unten nach oben, mal von kreuz nach quer, sind dabei mal mehr, mal weniger linear. Fortbewegen kann man sich nicht nur zu Fuß, sondern u.a. auch per Boot oder Katapult (!). Am Besten gefällt mir jedoch der Aufbau der Ebenen. So kann man z.B. in Londinium und der Wüste auf den Dächern der Häuser bzw. Zelte spazieren, in Helvetien zwischen Straße und Straßenrand wählen oder bei großen Treppen jede einzelne Stufe nutzen. Immer wenn man auf einer bestimmten Ebene ist, kann man nur von Gegnern getroffen werden, die sich ebenfalls dort aufhalten. Gerade bei den Treppen kann man das fast schon taktisch nutzen. Weiterhin positiv fällt die recht große Vielfalt an Gegnern und Hindernissen auf. Erstaunlich ist, wie man trotz nur zwei verschiedenen Schlägen im Repertoire der Gallier jeden Gegner auf eine andere Art bezwingen muss, um keinen Schaden zu kassieren. Zusätzliche Abwechslung wird noch durch das Rugby-Spiel, die Olympischen Spiele und den Stierkampf geboten. Alle wurden recht gut umgesetzt, auch wenn die letzteren beiden sich auf schlichtes Button Mashing reduzieren lassen. Der Umfang von Astérix & Obélix ist mit 21 Levels meiner Meinung nach genau richtig, durch die 16 Bonusräume gibt es außerdem genug zu entdecken. So verbringt man schon die ein oder andere Stunde bis zum Ende des Spiels, notfalls hat man auch die Möglichkeit, mit einem von vier Passwörtern wieder am Anfang eines Landes einzusteigen.

Die Comics profilieren sich ja vor allem durch ihren Humor. Dass Videospiele über Asterix diesen nicht in gleichem Maße transportieren können, ist klar. Meistens wurde darauf aber völlig verzichtet, z.B. bei allen Asterix-Spielen auf dem Sega Master System. Da ist es schön zu sehen, dass Infogrames und Bit Managers den Humor nicht völlig außen vor gelassen haben. Zumindest einige Lacher und Anlehnungen an Gags aus den Comics sind dabei. So fliegen besiegte Römer aus ihren Sandalen und in die Luft empor, bevor sie im Hintergrund wieder herunterfallen. Nett sind auch das Einsammeln der Helme und die Römer, die panisch fliehen, wenn man sich ihnen nähert. Außerdem kann Obelix, während er unverwundbar ist, Gegner mit seiner Wampe besiegen. Was ich fast vermisst habe, sind Hinkelsteine, denn irgendwie hätte ich schon gern mal einen Römer damit platt gedrückt. Hätte aber wohl spielerisch nicht wirklich gut reingepasst.

ICH KAM, SAH UND TRAUTE MEINEN AUGEN NICHT

Denn was hier grafisch geboten wird, ist wirklich ziemlich schick. Sehr detaillierte und liebevoll gestaltete Hintergründe erfreuen das Auge. Parallax-Scrolling wurde intensiv genutzt, sodass die Welten auch sehr lebendig und dreidimensional erscheinen. Durch die vielen verschiedenen Ortschaften und Länder, die man bereist, wird einem immer wieder etwas Neues geboten: das gallische Dorf, das Meer, Berge, Seen, Flüsse, die Wüste, Piratenschiffe usw. So wurde genug optische Abwechslung geschaffen, die mich das eher abwechslungsarme Gameplay doch erstaunlich gut vergessen lässt. Auch die Sprites der Gallier und Gegner wurden schön gezeichnet und animiert. Alles in allem geht es nicht viel besser auf dem Super Nintendo.

QUI HABET AURES AUDIENDI, AUDIAT!

Oder in verständlich: Wer Ohren hat zum Hören, der höre! Denn zum Glück hatte hier nicht Troubadix seine Finger im Spiel. Alberto José González ist der Mann hinter der Musik und zeichnet verantwortlich für einen wundervollen Soundtrack. Beim Teutates, ich würde sogar sagen, das hier ist der zweitbeste SNES-Soundtrack, der mir bisher zu Ohren kam. González schüttelt eine tolle Melodie nach der anderen aus dem Ärmel und verpackt diese in schönen, detailverliebten und vollen Arrangements. Die vielen verschiedenen Klänge/Instrumente erstrahlen allesamt in guter, klarer Qualität. Dabei bleibt die Musik auch immer stimmig und fügt sich perfekt in die jeweiligen Levels ein. Die vollen Arrangements bringen leider noch einen kleinen Nachteil mit sich. Sie brauchen zum Teil recht viele Kanäle, wodurch öfter bestimmte Teile der Musik aussetzen, um Platz für Soundeffekte zu machen. Nervt hin und wieder ein kleines bisschen, aber ist wirklich nur ein sehr kleines Übel. Extrem schade, dass das González' einzige Arbeit auf dem Super Nintendo war.

Fazit:

Astérix & Obélix hat offensichtliche und teils gravierende Mängel, was Spielbarkeit sowie Steuerung anbelangt und selektiert sofort die Spieler mit einem knackigen Schwierigkeitsgrad aus. Genug Extraleben machen das Spiel zwar schaffbar, aber frustige Momente stellen sich zu oft ein. Geboten wird ansonsten solide Jump 'n Run Kost mit einer ordentlichen Portion Geprügel. Ich würde das Spiel wohl zu einem Schattendasein verdammen, wäre da nicht die Asterix-Lizenz sowie großartige Grafik und Musik. Aber auch das schöne abwechslungsreiche Leveldesign kann einige Schwächen wieder ausgleichen.

Wertung
Grafik: 9/10
Sound: 10/10
Spielspaß: 7/10

Ursprünglich geschrieben für snesfreaks.com.

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